beflügeltWarum vegan?!

Niedlich oder köstlich?

Es ist schon eine Weile her, dass die Bilder, die ich in diesem Beitrag zeige entstanden sind:
am 10. Januar 2018.
Unsere Kinder waren mit Opa und Oma unterwegs, mein Mann kam früher aus dem Büro nach Hause und wir entschieden uns für einen gemütlichen Spaziergang über die Felder.

Unser Ziel sollte ein „Erlebnis“-Bauernhof sein, der ganz in der Nähe ist.
Es gibt dort zahlreiche Möglichkeiten mit Tieren in Kontakt zu kommen, einen Reitstall, Spielplätze, Wiesen, einen Hofladen, ein Restaurant / Café usw.
Ich packte meine Kamera ein, weil ich dachte vielleicht kann ich ein paar schöne Momente in der Natur einfangen und die Freilandhühner mal aus der Nähe betrachten.
An diesem Tag hatten wir aber eine ganz besondere Begegnung mit einem jungen Kalb, dass wir leider nur einmal sahen.

 

 

Ich war ganz fasziniert von dem Kleinen, weil es eine sehr starke Persönlichkeit zu haben schien, es machte sein eigenes Ding und schlüpfte immer wieder unter einem langen Holzpfahl hindurch, der den Stall von einem eingezäunten Matschbereich trennte, der wohl mal eine Wiese gewesen war.
Die Kuh beobachtete das etwas nervös konnte ihm aber nicht folgen.
Am Ende des eingezäunten Matschbereichs entdeckte das Kalb ein Schlupfloch wo der Maschendraht fehlte und innerhalb eines Sekundenbruchteils schlüpfte es hindurch:
In die Freiheit.

 

 

Alle rundherum waren erschrocken, entsetzt, aufgeregt oder alles zugleich.
Eine Frau ging sofort schnell zur Hofleitung herüber um Bescheid zu geben, aber da sah man offensichtlich keine Dringlichkeit und ließ sich ordentlich Zeit…

 

 

Das Kalb stapfte seelenruhig, neugierig los und plötzlich begann es zu rennen, wie ein Hund, der auf einer riesigen Wiese losgelassen wird.

 

 

Es rannte, erkundete, schnupperte und bestaunte abwechselnd, in der näheren Umgebung, alles ganz neugierig.

 

 

Die Kuh hatte sich inzwischen aus Verzweiflung unter der Abgrenzung durchgeschoben und muhte laut am Rand des Zauns, aber das Kalb ließ sich nicht beirren. Es feierte seine Freiheit!

 

 

Die Hofbesucher versuchten das Kalb Richtung Stall zurückzulenken und es zu seiner Mutter zurückzubringen.
Irgendwann gelang es auch, das Kalb mittels einer Personenwand zurückzulenken und in den Stall zu schieben.
Doch kaum war das Tor hinter ihm verschlossen stapfte das Kalb Richtung Zaun zur Kuh, begutachtete den Zaun rechts, sagte scheinbar kurz „Hallo“ und schlüpfte direkt wieder an der gleichen Stelle wie vorher, links von der Kuh hinaus.

 

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit kann Jemand mit einem Akkubohrer herüber, nahm den Zaunpfahl der zuvor den Stall von der Weide getrennt hatte und befestigte ihn mittig vor der Lücke im Zaun, nachdem das Kalb durch eben diese zurück auf die Weide geschoben worden war.
Es war ein völlig komischer Augenblick.
Die Frau mit dem Akkubohrer verschwand genau so leise und seelenruhig, wie sie aufgetaucht war.
Ich stand vor dem Zaun und war irgendwie emotional total aufgewühlt.
Gerade noch hatte mir das Kleine direkt gegenüber in der Freiheit gestanden. Mich neugierig angeschaut, sich fotografieren lassen, an meiner ausgestreckten Hand geschnuppert und sie abgeschleckt.

 

 

Und da stand es nun wieder, auf der anderen Seite des Zaunes, in dem riesigen Matschloch neben seiner Mutter.

 

 

Ich griff durch den Zaun um ihm noch einmal meine Hand entgegenzustrecken.
Ein Mann neben mir meinte: „Hmm, wenn man sich selbst drum kümmern müsste, gäbe es wohl kein Kalbfleisch…“
Ich schaute zum ihm herüber und lächelte gequält. Und keine Kuhmilch für Menschen ergänzte die Stimme in mir.
Ich sagte nichts, hatte keine Lust auf eine unnötige Diskussion.
Es verletzte mich zu sehr genauer darüber nachzudenken, welches Schicksal das Kleine wohl erwartete.
Würden wir uns hier nochmal wiedersehen?

Es schnupperte sanft mit seiner zarten Nase und schleckte zum Abschied nochmal meine Hand.
Seinen reinen, offenen Blick, dieses sanfte Vertrauen und die zaghafte, tief berührende Annäherung, werde ich niemals vergessen.

Jetzt da mir dieser Augenblick hier während des Schreibens wieder so real vor Augen erscheint, ich die Bilder erneut sehe und an dieses wunderschöne kleine Kalb denke, mit seiner bestimmten eigenen Persönlichkeit, muss ich einfach nur weinen.

Ja natürlich, es ist ein kleines Kalb von so unzählig vielen, die niemals frei sein werden und keiner weiß wo sie sind und was mit ihnen geschieht, aber wir waren uns ganz nah.
Wir haben einen ganz unvergesslichen Moment miteinander erlebt und hier halte ich ihn jetzt fest – für immer.

 

 

Kein einziges, einzigartiges Kalb sollte ein „Abfallprodukt“ der Milchindustrie sein.
Zu einer Milchkuh werden müssen.
In einem Müllcontainer oder in Teilen früher oder später auf irgendwelchen Tellern landen!

Vielleicht denkst du an meine Worte oder an diese Bilder, wenn dir das nächste Mal ein Kalb oder ein Rind begegnet, egal in welcher Form…

 

Atme tief durch und hör auf dein Herz.
Mach es dir leicht – Sei einfach Liebe!

 

 

 

2 Gedanken zu „Niedlich oder köstlich?

  1. Ein wunderschönes Erlebnis mit dem Kalb und so gefühlvoll geschrieben mir tut es auch immer weh, wenn ich solche Kommentare höre und ich gehe den Diskussionen mittlerweile auch aus dem Weg. Im Endeffekt bringt es bei den meisten nichts, nur das ich selbst deprimiert bin
    Liebe Grüße und eine Umarmung an dich

    1. Liebe Silvia,
      da bin ich ganz bei dir! Sich ärgern und diskutieren bringt sehr wenig, deshalb liegt mein Fokus darauf es selbst besser zu machen und ein Vorbild zu sein, für mehr Liebe, Mitgefühl und positive Energie! Schön dass du mich hier besucht hast. Danke von Herzen
      Deine Bianca

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