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Zeit für mehr Zeit

 

Wenn wir an Zeit denken haben wir ein Ziffernblatt vor Augen.
Wie wären die Tage, ohne die Blicke auf irgendwelche Uhren und die unmittelbare Bewertung: noch so früh oder schon so spät…?
Uhren sind wirklich überall, das ganze Leben richtet sich nach ihnen.
Termine, Zeitdruck, Stress und immer im Hinterkopf, was wir alles gerne machen würden, wenn wir nur die Zeit dafür hätten.
Doch gerade im Termindruck, unter Hektik und Stress und mit zu vielen, zu schnellen Ablenkungen „verlieren“ wir unsere Zeit.

Es ist unsere Besessenheit jede Sekunde sinnvoll und effizient nutzen zu müssen, die genau das Gegenteil bewirkt.

Eile bringt uns wenig Vorteile.
Sie beschleunigt unser Leben weiter und weiter und mindert unsere Leistungsfähigkeit.
Wir speichern unter Hektik am wenigsten Erinnerungen ab, fragen uns was wir überhaupt alles gemacht haben und fühlen uns Verlust und Mangel hilflos ausgeliefert.
Ständiger „Zeitdruck“ macht krank, denn unter Druck zu stehen, oder gehetzt zu sein bedeutet puren Stress in unserem Körper.
Stress stört Hirnzentren, die für zeitliche Organisation sorgen.
Es kommt uns vor als dauere alles zwei oder dreimal so lange, wir werden nervös, spüren innere Unruhe und werden aggressiv.
Stress wird mit einer ganzen Reihe von Erkrankungen in Zusammenhang gebracht, beeinflusst nachweislich unser Gehirn und unsere Lebenserwartung negativ.
Das Gefühl keine Zeit zu haben schafft sich eine eigene Wirklichkeit.

Wir sind meistens nicht deshalb gestresst, weil wir keine Zeit haben, sondern wir haben keine Zeit, weil wir gestresst sind.

 

 

Doch unabhängig von all diesen tickenden Zeitmessern um uns herum, gibt es noch eine andere, besonders wertvolle Zeit – die, die in uns selbst entsteht.
Um diese innere Zeit zu verstehen und beeinflussen zu können müssen wir erstmal verstehen, warum wir Zeitspannen so unterschiedlich empfinden können, obwohl die Zeit, die uns an jedem Tag zur Verfügung steht, vollkommen gleich ist.
Denn unsere innere Uhr folgt ganz anderen Bedingungen.
Allein gemessen in Stunden hätten wir theoretisch mehr Zeit, als je zuvor und wir leben auch durchschnittlich deutlich länger, dennoch sagen immer mehr Menschen immer öfter, dass ihnen ihre Zeit zu knapp ist.

Dabei ist die äußere, auf Uhren angezeigte, messbare Zeit nur ein kleiner Bruchteil dessen, was unser Leben wirklich ausmacht.
Eine Uhr ist vollkommen in der Gegenwart, während wir in unseren Erinnerungen in der Vergangenheit oder in Gedanken schon in der Zukunft sein können.
Ich will hier nicht so sehr über die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Zusammenhänge schreiben, denn das wäre deutlich zu umfangreich, mir geht es vorrangig darum aufzuzeigen, wie wir die innere Zeit besser verstehen können und zu zeigen, wie wir achtsamer und entspannter mit Zeit umgehen und sie stressfreier erleben können.
Ich bin auch schon in mehreren vorangegangenen Beiträgen ein wenig darauf eingegangen, denn für mich geht es nicht vorrangig darum, wie wir unser wunderschönes Leben wahrnehmen, sondern wie wir es noch mehr lieben, wertschätzen und genießen können.

Das Beste ist, wir sind nicht nur vollkommen frei darin zu entscheiden, wie wir die Stunden unseres Lebens nutzen, sondern wir können selbst festlegen, wie wir den Rhythmus unseres Lebens und die Fülle unserer Zeit wahrnehmen wollen.
Unser Zeitempfinden ist eine hoch entwickelte Leistung unseres Gehirns und auch wenn es sich für uns oft anders anfühlt, haben wir einen großen Einfluss darauf.
Nur wir selbst steuern unsere innere Uhr und können unser Zeitempfinden leichter verändern, als alle anderen Vorgänge im Gehirn.
Wir bestimmen selbst, wie wir die Zeit empfinden!

Die Fülle unserer Zeit, die Erfüllung in uns und unserem Leben entsteht in uns – in unserem Kopf!

 

 

„Vorprogrammiert“ ist von Natur aus nur, dass wir das Vergehen der Sekunden, Minuten, Stunden empfinden.
Doch jeder von uns kann selbst bestimmen, wie wir es tun.
Es liegt an jedem selbst die Angst des Zeitverlusts und Mangels loszulassen.
Wenn wir unsere Wahrnehmung verändern, unsere Aufmerksamkeit direkt steuern und auch Achtsamkeit bewusster in unser Leben mit einbeziehen, verwandeln wir auch unser Zeitempfinden.

Jeder hat einen ganz persönlichen Tagesrhythmus, jede unserer Zellen hat eine eigene innere Uhr.
Diese steuert im Körper, zum Beispiel die Leistungsfähigkeit, den Blutdruck, die Verdauung und vieles mehr, ebenso ob wir eher morgens oder abends die meiste Energie haben.
Je mehr wir gegen unseren eigenen Takt arbeiten, desto schlechter fühlen wir uns.
Eine falsche Tagesroutine kann viele körperliche und psychische Leiden begünstigen.

Die Zeit, die in uns entsteht hängt mit dem Zusammenspiel fast aller Funktionen des Gehirns zusammen.
Die gefühlte Dauer des erlebten hängt von einem Maßstab ab, den unser Hirn zum Abschätzen der vergangenen Zeit heranzieht, aber auch unsere Aufmerksamkeit ist entscheidend.
Ist das Bewusstsein abgelenkt unterschätzen wir die vergangene Zeit, sind wir ganz präsent, dehnt sie sich gefühlt aus.

 

Wo sich nichts verändert bleibt auch die Zeit stehen.

 

 

Die eigentliche Aufgabe unseres Gehirns ist nicht, das Hier und Jetzt zu genießen oder möglichst bewusst unsere Umgebung wahrzunehmen, sondern unser Überleben zu sichern.
Sobald sich um uns herum etwas verändert, zieht es unsere Aufmerksamkeit auf sich, wenn nichts passiert schaltet unsere Wahrnehmung ab.
Aber unser Gehirn will aktiv sein, es beschäftigt sich lieber mit etwas Unnötigem, als dass unser Bewusstsein zu wenig Beschäftigung erträgt.

Das Geheimnis vollkommener Präsenz, liegt in der optimalen Auslastung des Gehirns, was wir als „Flow“ kennen.
Es bezeichnet unsere absolute, mühelose Konzentration, wenn sowohl Wahrnehmung, als auch Verstand perfekt ausgelastet sind und wir andererseits den Eindruck vollkommener Kontrolle über das Geschehen haben.
Denn dann sorgt die automatische Steuerung unserer Aufmerksamkeit von selbst dafür, dass unsere Wahrnehmung in der Gegenwart bleibt.

Zeiträume in denen wir hochaktiv sind werden länger bewertet,
als Zeiträume mit geringer geistiger Aktivität.

Das Leben besteht aus Routinen und Wiederholungen, die unsere Zeit schneller vergehen lassen, denn das Meiste ist uns so vertraut, dass wir nur das Nötigste wahrnehmen, für das Gehirn wird es als Untätigkeit registriert und ignoriert.
Etwas an das wir uns nicht erinnern können, empfinden wir als ungelebte Zeit.
Ein bewusster Fokus der Wahrnehmung, der Aufmerksamkeit ein Ziel zu setzen, macht diese auch präsent.
Indem wir unsere Wahrnehmung trainieren und lernen mehr von der Gegenwart mitzubekommen, verändern wir auch unser Zeitempfinden.
Unsere Stimmung verändert sich positiv, denn Zustände der wachen Wahrnehmung vergrößern das Gefühl von Freude.
In der Gegenwart zu sein bedeutet nicht nur mehr von seinem Leben wahrzunehmen, sondern auch es mehr zu genießen. Neues und Unbekanntes bleibt in der Erinnerung haften und dehnt die Zeit aus.
Je abwechslungsreicher und spannender wir unser Leben gestalten, desto mehr Zeit gewinnen wir.

 

 

Indem wir Zeit mehr beleben, geben wir auch unserem Leben gefühlt mehr Zeit.

 

Unser Gedächtnis ist für uns so selbstverständlich und wichtig, dass wir uns ein Leben ohne Erinnerungen nicht vorstellen mögen.
Wir lieben es durch verschiedene Zeiten zu streifen und in die Vergangenheit zu reisen, denn genau so können wir zwei unsere tiefen Sehnsüchte verbinden:
Jede Sekunde voll und ganz genießen, aber auch besondere Augenblicke für immer in unserer Erinnerung festhalten zu können.

Das Verhältnis von erlebter und erinnerter Zeit, können wir uns wie das auf und ab einer Wippe vorstellen. Entweder das Aktuelle ist für uns interessant, scheint schnell zu vergehen, bleibt aber ausführlich in Erinnerung oder die Gegenwart zieht sich schier endlos dahin, wirkt aber später in unserem Gedächtnis deutlich kürzer.

Über eine Reihe von Zeitvernichtungsmechanismen habe ich hier schon einmal geschrieben.
Ich möchte noch einmal genauer darauf eingehen, denn es ist tatsächlich so, dass wir uns in unserem beschleunigten, digitalisierten Leben selbst zahlreiche Mittel geschaffen haben, um Erinnerungen an die gegenwärtige Zeit aus unserem Gedächtnis fernzuhalten.
Der Konsum vielfältiger Medien kostet uns nicht nur unsere Zeit, die wir vielleicht sinnvoller und schöner hätten nutzen können, sondern erschaffen gleichzeitig große Zeiträume ohne nennenswerte Erinnerungen.
So verkürzen wir quasi selbst unser gefühltes Leben und unsere gefühlte Zeit.

Kurzfristig bannt es unsere komplette Aufmerksamkeit und lässt die Zeit dahinrasen, doch außer oft belangloser Bruchstücke oder vielleicht dem ein oder anderen Erfolgserlebnis bleibt da sehr viel Leere, sehr viel nichts…
Unser Lebenstempo beschleunigt sich zunehmend.
Weniges hat besonders lange Bestand und behält über einen längeren Zeitraum seine Aktualität oder seinen Wert.
Nicht zu wenig Zeit oder ein vom Außen aufgezwungener Takt sind das Problem, sondern Unkonzentriertheit, Stress und mangelnder Antrieb, mangelnde Motivation.

Unsere Aufmerksamkeit ist genau so knapp wie die Zeit, die uns anderswo fehlt, wenn wir uns zu lange mit etwas beschäftigen.
Hektik bringt uns in einen Zustand der Beschleunigung, dauernder Stimulation und lässt uns lebendig fühlen, deshalb sind wir ihr auch im Grunde nicht abgeneigt.
Der Preis ist allerdings, dass wir uns umso schlechter konzentrieren können, je mehr Reize auf uns einprasseln.
Diese Reizüberflutung erschwert es unseren eigenen Takt zu finden und ihm zu folgen.
Wir lassen uns von einer äußeren Taktvorgabe mitreißen, denn Tempo macht süchtig.

Ein weiterer Zeitverschwender ist Multitasking, es mindert unsere Leistungsfähigkeit und wir brauchen am Ende länger, als hätten wir eins nach dem anderen erledigt.
Multitasking-Fähigkeit und ihre Effizienz sind sehr hartnäckige Illusionen, eigentlich überfordert es das Gehirn und stört die Konzentration.
Wichtige Informationen gehen dem Gedächtnis, durch die aufgeteilte Wahrnehmung verloren, was diese Zeiträume gefühlt verkürzt.

 

„Man verliert am meisten Zeit damit, dass man Zeit gewinnen will.“
(John Steinbeck)

 

Das Gefühl von Kontrolle reduziert Stress.
Ständige Verfügbarkeit oder der Glaube sie würde von uns erwartet, bedeutet Kontrollverlust.
Das bringt uns in Zeitnot.
Wir haben Angst eine Sache nicht erwartungsgemäß erfüllen zu können und gleichzeitig fürchten wir uns vor negativen Folgen.

Zeiträuber lassen sich perfekt enttarnen mit zwei einfachen Fragen:

„Muss ich das wirklich jetzt machen?“ und
„Was würde passieren, wenn ich es einfach nicht mache?“

So kommen wir auch zu dem Punkt, der uns Zeit „schenkt“, indem wir tun was wir lieben und es ganz im Hier und Jetzt erleben, reduzieren wir die negativen Einflüsse des gefühlten andauernden Zeitmangels.
Verlangsamen wir den Takt des Lebens, dann verlangsamt sich auch unsere innere Uhr.
Wir „gewinnen“ Lebenszeit, wir (er)leben intensiver.
Denn gerade das Bewusstsein, dass die Zeit flüchtig ist, verlängert sie:

 

Die Zeit für mehr Zeit, sie ist in dir!

 

 

In meinem Gastbeitrag, den ich für Betty auf ihrem Blog „Stardust and Pantries“ zum Start von „Wellness- Weekend“ schreiben durfte, geht es auch um die Zeit und Tipps „Zeit für mehr Zeit“ zu haben. Wenn du magst kannst du hier mehr dazu lesen. Nochmal herzlichen Dank an dich liebe Betty, für´s zu mir finden auf Instagram und diese tolle Möglichkeit bei dir zu Gast sein zu dürfen. Folgt Betty unbedingt auf Instagram, ihre Fotos sind wunderschön und ihre Rezepte sehr lecker!

 

 

 

 

 

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